Patenschaften

Einführung

Der Schwerpunkt der Arbeit von Tukolere Wamu liegt in der Unterstützung von Selbsthilfeinitiativen von Gruppen und auch der Einrichtung und Finanzierung von Gemeinschaftsprojekten wie Gesundheitszentren und Schulen, der Ausbildung von Dorfgesundheitshelfern und Hebammen und vielen weiteren Projekten, die die Lebensbedingungen für die ugandische Landbevölkerung verbessern sollen.

Über Tukolere Wamu können auch persönliche Patenschaften für Schulkinder, Heimkinder, Auszubildende, Studenten und Familien in besonders schwieriger Lage übernommen werden.

Diese Art der Hilfe ist jedoch aufwändig in der Verwaltung und beansprucht auch unsere freiwilligen ugandischen Mitarbeiter sehr stark. Deshalb und auch weil in den ländlichen Gemeinschaften und in den teilweise komplizierten Familienkonstellationen keine Ungerechtigkeiten und Neid aufkommen sollen, möchten wir diese Patenschaften nur in Ausnahmesituationen anbieten. Beispielsweise wenn ein Schulkind in kurzer Zeit beide Elternteile verloren hat und als einzige Verwandtschaft nur noch erwerbslose Großeltern oder eine selbst kinderreiche Verwandte sich um den/die Schüler/in kümmern könnten.

Auch wenn ein Kind sehr begabt ist, erscheint es uns manchmal sinnvoll, es in eine gute Internatsschule zu schicken, oder eine Berufsausbildung zu bezahlen, besonders wenn es der ganzen Dorfgemeinschaft nützen kann. Aber auch diese Schüler/innen kommen immer aus sehr bedürftigen Familien. Die Auswahl der in Frage kommenden Schüler/innen wird seit der Gründung von Tukolerewamu–Uganda von dessen  Vorstand nach diesen Kriterien getroffen.

Geld, das von den Paten bei Tukolere-Wamu-Deutschland eingeht, wird immer bedarfsgerecht zu Beginn der Schuljahresdrittel (im Januar, April und Juli) nach Uganda überwiesen und sofort an die entsprechenden Schulen weitergeschickt, da Ugander normalerweise keine Möglichkeit haben, Geldbeträge über längere Zeit sicher aufzubewahren.

Bei Schulpatenschaften werden die Beiträge der Paten nur für die Schulgebühren einschließlich der Internatskosten, Schulausstattung und Transportkosten verwendet. Ein Aufschlag von 5% der überwiesenen Summe wird an den ugandischen Mitarbeiter als Aufwandsentschädigung für Fahrtkosten, Bankgebühren, Porto- und Kopierkosten usw. mitüberwiesen.

Zur Zeit unterstützen etwa 45 Paten direkt Kinder, Jugendliche und Behinderte in Uganda mit durchschnittlich 35-40 € pro Monat. Diese Paten wollen wir regelmäßig über ihre Patenkinder zu informieren, dafür müssen immer wieder Schulzeugnisse und Briefe eingesammelt, kopiert und weitergeleitet werden. Auch bei Schulproblemen und für die Gestaltung ihrer weiteren Zukunft brauchen diese Jugendlichen immer wieder Ansprechpartner und Betreuung.

[collapse]
Erziehung, Schule und Studium in Uganda

Brigitte Haag-Funke, Gertrud Schweizer-Ehrler

Früher galt Uganda als die „Perle Afrikas“. Das ostafrikanische Land, ungefähr so groß wie die alten Bundesländer mit einer Bevölkerung von knapp 25 Millionen Menschen und dem höchsten Bevölkerungswachstum Afrikas, gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Jede Frau bringt im Durchschnitt fast 7 Kinder zur Welt. Sechzehn von 100 Kindern sterben bevor sie 5 Jahre alt sind.

Doch einen kleinen Lichtblick gibt es: Seit 1997 ist die Grundschulbildung für 4 Kinder einer jeden Familie frei. Seither gehen die meisten Kinder zur Schule.

[collapse]

Primary Schools (Grundschulen)

Die Grundschule in Uganda dauert 7 Jahre. Diese Schulen gibt es flächendeckend, aber leider in sehr unterschiedlicher Qualität. Seit der Einführung der freien Schulbildung für die meisten Grundschulkinder besteht eine formale Schulpflicht, jedoch kann sie nur sporadisch überprüft werden. Kosten entstehen dennoch für Schuluniformen (in Uganda üblich), Schulmaterial und Bücher.

Es gibt eine theoretische Begrenzung der Schülerzahl auf 52 Schüler pro Klasse. Allerdings ist der Run auf die gebührenfreien Schulen aufgrund der hohen Kinderzahlen so hoch, dass Klassen mit 100–180 Schülern in der Grundschule häufig vorkommen und die Schulbänke nicht ausreichen. So ist es nicht verwunderlich, wenn Lehrer nicht bemerken, dass ein 3. Klässler noch nicht lesen kann.

Eine Alternative zu den Day Schools (Tagesschulen) sind private und staatliche Boarding Schools (Internatsschulen), die allerdings Gebühren für Unterricht, Unterbringung und Verpflegung verlangen. Das ist für Kinder in ländlichen Gebieten aber oft die einzige Chance eine gute Grundschule zu besuchen, um später für eine weiterführende Schule gerüstet zu sein.

Notengebung: 1 – 9, 1 = sehr gut ; 9 = durchgefallen. Mehrere 9’s bedeuten aber nicht automatisch Wiederholung der Klasse. Neu ist jedoch, dass bei 9’s in Englisch oder Mathe zwar eine weiterführende Schule (Senior Secondary School) besucht, jedoch kein Abschluss in S 4 (4. Oberschulklasse) gemacht werden kann. Die neue Regelung ergibt für viele Schüler, die jetzt in der Secondary School sind, das Problem, dass sie nach der S 4 keine Prüfung ablegen können, bevor sie nicht P 7 mit besseren Leistungen in Mathe und Englisch wiederholt haben.

Ausstattung eines/r Schüler/in für den Besuch einer Boarding School:

Kosten in €

Matratze, Bettlaken, Kissen,

15 – 20

Wolldecke,

15 – 30

Moskitonetz

6

Waschschüssel, Eimer

3

Wasserkanister

1

Waschpulver

1-3

Seife

0,5 – 2

Handtuch

5 – 10

Toilettenpapier

0,2 – 2

Zucker (für Tee; ca. 4kg)

3

Zahnbürste, Zahnpasta

2

Hygieneartikel

1 – 3

Private Kleidung, (teilweise auch nicht erlaubt)

10 – 30

Bibel/Koran,

5

Wörterbuch

9

Mathe-Set (Zirkel, Geodreieck)

0,5

12 Hefte

3

Bleistifte, Farbstifte, Kugelschreiber

1 – 2

Schultasche

5 – 10

Schuluniform 2-fach, Schulpullover

10 – 25

geschlossene Schuhe

4 – 10

1 Koffer (oft aus Blech) mit Schloss

10

Diese Ausrüstung muss teilweise per Fahrradtaxi von den Schülern zur Schule transportiert werden. Zu weiter entfernten Schulen fahren die Schüler pro Term nur einmal hin und zurück. Ein Term dauert drei Monate. Nach dem Schuljahresende sind ca. 8 Wochen Ferien bis zum Beginn des neuen Schuljahres Ende Januar. Zwischen den anderen Terms sind je ca. 3 Wochen Ferien, die die Schüler zuhause oder bei Verwandten verbringen.

[collapse]

Senior Secondary School (Oberschule, weiterführende Schule)

Nach dem guten Abschluss der Grundschule können die Schüler eine weiterführende Schule besuchen. Diese dauert 4 Jahre bis zum mittleren Abschluss und noch 2 weitere Jahre bis zur Hochschulreife. Ziel der meisten Familien ist es ihre Kinder in sog. Boarding schools (Internate) zu schicken, denn es gibt keine Schulbusse und anderer Transport ist zu teuer. Außerdem haben die Schüler so geregelte Lernzeiten in den Klassenräumen und Zugang zu einer Bücherei, das hilft auch den Schulerfolg zu sichern.

Alleine die Schulgebühren dieser Internatsschulen betragen ca. 200-400 € pro Jahr, dazu kommen Kosten zur Anschaffung der notwendigen Ausrüstung (siehe Liste); sehr viel Geld. Dabei wird in diesen Internaten wirklich kein Luxus geboten. Ein Schlafsaal für ca. 100 Mädchen in einer abgewohnten Wellblechbaracke hat mich echt schockiert:

Es steht dort ein 3- stöckiges Metallbett neben dem andern, kaum Platz zu Stehen dazwischen. Weder Tische, Stühle noch Schränke sind vorhanden, jede Schülerin hat ihre Besitztümer im Koffer unter dem Bett. Überall hängen Wäscheleinen, um die selbstgewaschene Wäsche zu trocknen, für Privatsphäre besteht keine Chance. Außer in sehr teuren Schulen gibt es keine Speisesäle, bei Regen wird eben im Schlafraum gegessen.

Als Sport und Freizeitbeschäftigung werden meist Netzball, Volleyball, Fußball, Basketball oder Leichtathletik angeboten.

 

Beispiel eines Tagesablauf s in einer Boarding School:
7.00- 8.00 Uhr: Frühstück (Maisbrei, Tee, in manchen Schulen auch nichts)
8.00-10.15 Uhr: Unterricht
10.15-11.00 Uhr: Pause
11.00-13.20 Uhr: Unterricht
13.20-14.00 Uhr: Mittagessen (Maisbrei, Hirsebrei oder Reis, dazu Bohnen oder Kohlgemüse und manchmal Fleisch)
14.00-16.30 Uhr: Unterricht
16.30-17.00 Uhr: Duschen, Waschen der Kleidung
17.00-18.00 Uhr: Abendessen (wie das Mittagessen), Abendgebet
18.00-21.30 Uhr: Freizeit, Hausaufgaben und Lesezeit

[collapse]

Studium an der Universität

An meinem Abreisetag im Februar 2005 beherrschte ein großes Thema die Tageszeitungen: Die Makarere-Universität in Kampala hatte die Studiengebühren um etwa 80 % angehoben. Ursache ist das starke Anwachsen der Studentenzahlen von ca. 7500 im Jahr 1993 auf ca. 33 000 im Jahr 2004. Von diesen 33000 Studenten werden 8 000 von der Regierung gefördert. Alle anderen müssen die hohen Studiengebühren selbst bezahlen. So gelten ab jetzt folgende Gebühren pro Semester:

Einige Beispiele:

Science (Naturwissenschaften) (6 Sem.) 590.– €
Medizin (10 Sem.) 850.– €
Landwirtschaft (6 Sem.) 750.– €
Computertechnik (6 Sem.) 600.– €
Recht (10 Sem.) 610.– €

Da die Makarere-Universität die einzige große Universität in Uganda ist, werden jetzt wohl viele Studenten, die ihr Studium nicht mehr bezahlen können, aufhören müssen.

[collapse]

Oktober 2014

unterstützte Kinder und Jugendliche

Die regelmäßige persönliche Betreuung und Beratung über gute Berufschancen ist sehr wichtig. Die Sachbearbeiterin für Patenschaften mit einem Teil der geförderten Schüler.

[collapse]

Mai 2017

Mai 2017

Beim Patenschaftstreffen im Mai 2017 waren viele der von Tukolere Wamu unterstützten Kinder und Jugendliche anwesend. Sie standen im Austausch mit deutschen Schülern, die zu Besuch in Uganda waren.

[collapse]

April 2018

Sieben Absolventen und 13 neue Patenkinder in Uganda

Im Herbst letzten Jahres haben fünf junge Ugander dank der Unterstützung durch Tukolere Wamu-Patenschaften einen Berufsabschluss erreichen können: zwei Lehrer, eine Krankenschwester, eine Frisörin und eine Gärtnerin. Zwei Schüler haben das Examen der Mittelschule (vergleichbar mit unserer Realschule) abgelegt. Diese jungen Erwachsenen wurden teilweise schon seit der Grundschule von Tukolere Wama gefördert, damit sie durch Bildung den Teufelskreis der Armut durchbrechen können.

Wir danken allen Paten für die langjährige Unterstützung!!!

Einige der Paten waren sofort bereit, eine neue Patenschaft zu übernehmen. Nach sorgfältiger Prüfung durch Tukolere Wamu Uganda wurden uns im Dezember/Januar 13 neue Anträge für Schul- und Ausbildungspatenschaften geschickt, 12 Anträge davon sind für Mädchen, die alle aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammen. Häufig fehlt der Vater als Ernährer der Familie, da er verstorben ist oder seine Familie verlassen hat, um mit seiner Zweit- oder Drittfrau eine weitere Familie zu gründen. Die Mütter versuchen ihre Kinder durch kleine Jobs (meist in der Landwirtschaft) einigermaßen über Wasser zu halten, das wenige Geld reicht jedoch nicht, um die Schulkosten, die nach der 7. Klasse anfallen, zu zahlen. Wenn die Mädchen nicht zur Schule gehen können, werden sie oft schon mit 14 oder 15 Jahren schwanger und heiraten, bekommen dann selber viele Kinder, für die wiederum das Geld für die Ausbildung fehlen wird. Also ein Teufelskreis, den wir durch Schul- und Ausbildungspatenschaften zu unterbrechen versuchen.

Für acht Kinder haben wir bereits neue Paten, für die anderen fünf wird übergangsweise das Schulgeld aus dem allgemeinen Patenschaftstopf von Tukolere Wamu übernommen, bis wir auch für diese Kinder Paten gefunden haben.

Für folgende Kinder werden momentan noch Paten gesucht:

Caroline, ein 16jähriges Mädchen, das die 2. Klasse der Mittelschule besucht. Der Vater hat die Familie verlassen, die Mutter sorgt alleine für die fünf Kinder, die alle noch zur Schule gehen. Die Schulkosten inkl. Internatsunterbringung betragen momentan 45,- € monatlich.

Zulaika, 15 Jahre alt, besucht ebenfalls die 2. Mittelschulklasse. Der Vater ist tot und die Mutter versucht durch Gelegenheitsarbeit die Familie zu ernähren. Die Schule kostet momentan 25,- € monatlich.

Rehema hat nach der 7. Klasse einen sehr guten Abschluss gemacht, da sie und ihre Familie sich aber immer wieder Sorgen um das Schulgeld machen mussten, schaffte sie es bislang nicht, sich genügend auf die Schule zu konzentrieren. Wir hoffen, dass ihre Leistungen durch die Übernahme der Schulkosten durch Tukolere Wamu (30,- € pro Monat) nun wieder besser werden.

Michael, z.Zt. der einzige Junge, für den Tukolere Wamu um Unterstützung bittet. Sein Vater war lange Zeit Wachmann im Salem-Dorf, Uganda. Als er erkrankte, hat Tukolere Wamu teilweise die Behandlungskosten übernommen, um ihm und seiner Familie zu helfen. Leider war die Behandlung trotzdem nicht erfolgreich und er verstarb Ende letzten Jahres. Michael ist der älteste von vier Kindern, seine Mutter kann die Schulkosten für die Mittelschule (32,- € monatlich) nicht aufbringen.

Mirika, 22 Jahre, war bereits drei Jahre in dem Patenschaftsprogramm, sie hat einen Mittleren Bildungsabschluss gemacht und dann eine Krankenpflegeausbildung angefangen. Als sie Anfang 2016 schwanger wurde, hat sie die Ausbildung abgebrochen. Nun bittet sie um eine neue Chance, denn sie möchte immer noch Krankenschwester werden, u.a. um ihren Kindern eines Tages ein besseres Leben bieten zu können. Die Krankenpflegeschule von Salem Uganda kostet ca. 80,- € monatlich (je nach Ausbildungsjahr).

Die Zwillinge Nassiva und Babirye stammen aus einer sehr desolaten Familie. Der polygame Vater hat drei Frauen, mit denen er sehr viele Kinder gezeugt hat. Die Mutter der Zwillinge ist die erste Frau, der Mann kümmert sich weder um sie, noch um ihre Kinder. Die älteren Geschwister der Zwillinge leben bereits in Kampala auf der Straße. Damit die Zwillingsmädchen nicht das gleiche Schicksal haben, hat die Mutter sich an Tukolere Wamu gewandt und um Unterstützung gebeten, um vielleicht einen kleinen Funken Hoffnung und etwas Licht in die Zukunft der Familie zu bringen.

Insgesamt werden z.Zt. 57 Kinder und Jugendliche in Uganda durch Schul- und Ausbildungspatenschaften von Tukolere Wamu unterstützt. Im Mai und im November werden wieder einige ihr Examen schreiben. Wir drücken allen die Daumen und danken den großzügigen Paten, die durch ihre finanzielle Hilfe zur reichhaltigen Ernte in Form von Bildung beitragen.