295 Unterstützung für verfolgte Kinder und Frauen mit HIV auf Sansibar

2021- 2022 Unterstützung von Frauen mit HIV/Aids im Kleinhandel

September 2021

Bei einer Projekt- und Begegnungsreise im Jahr 2017 lernten wir Pater Ambros und Schwester Yusta in Sansibar kennen. In der fast komplett muslimischen Zone helfen die katholischen Ordensleute und ihr Team den Ärmsten. Wir konnten das Team in Chukwani bereits mit einem Stromanschluss, einem Seminar für an HIV leidenden Frauen und mit Hygieneausstattung zu Beginn der Corona Pandemie unterstützen.

In den letzten Monaten hat sich die Situation aber weiter stark verschlechtert. Die Region lebt normalerweise vom Tourismus, der ist nur noch zu einem Bruchteil vorhanden.

Insgesamt ist die aktuelle Situation insbesondere der HIV/AIDS-Kranken sehr besorgniserregend. Viele haben aufgrund mangelnder Einnahmen nicht genug um die Familie zu ernähren. Viele Frauen mit ihren Kindern wurden von ihren Ehemännern verlassen. Oftmals bleiben nur die Großmütter, die die Kinder nach dem Tod der Eltern betreuen.

Einige von ihnen hatten kleine Projekte, so konnten sie sich wenigstens eine Mahlzeit am Tag leisten, aber aufgrund der Corona-Pandemie konnten keine Rücklagen für das Geschäft mehr getätigt werden. Zwei Frauen der Gruppe konnten sich die Medikamente nicht mehr leisten und sind verstorben, eine Familie mit einer 15-jährigen Tochter prostituierte sich in dem Versuch Essen für die Geschwister zu bekommen, sie wurde schwanger.

Neben dem Schwerpunkt der Arbeit mit HIV-Positiven, betreut das Das Chukwani Zentrum Opfer des Menschenhandel die ihren Peinigern entkommen konnten. Sie werden mit Lebensmitteln unterstützt, während sie im Zentrum warten und Beratung erhalten. Das Ziel ist immer eine Rückführung zur Familie, zumeist auf dem tanzanischen Festland, manchmal aber auch in Uganda oder Burundi. Allerdings ist dies nicht immer einfach. Die Kinder benötigen Begleitung, die Familien, die die Kinder im Glauben auf ein besseres Leben weggegeben haben, müssen beraten werden. Das alles ist teuer.

Die Kosten des Projektantrages betragen

  • 1.000,– Euro für die Betreuung und Rückführung der Kinder, die dem Menschenhandel entkommen konnten
  • ca. 2.000,– Euro für die Unterstützung für 30 HIV-positive Frauen um im Kleinhandel geschult zu werden, zehn von ihnen sollen mit einem Startkapital für einen Kleinhandel ausgestattet werden nachdem sie die Schulung absolviert haben.

Am 17.10.2021 findet ein Herbstfest mit großem Dorfflohmarkt in Gallenweiler (OT Heitersheim) statt. Mit dem Erlös soll dieses Projekt finanziert werden.

 

 

Januar 2022

Mit großer Dankbarkeit für die Berücksichtigung der Ärmsten auf Sansibar in einer Zeit ohne Einkommen, erreichte uns der Bericht über die Umsetzung des Projektes. Einige der Frauen fanden im Einsammeln von Plastikflaschen zum Wiederverkauf die einzige Überlebensmöglichkeit.

Dreißig Frauen wurden in Seminaren über Einkommen schaffende Projekte geschult. Zehn konnten mit einem Startkapital für ein kleines Geschäft unterstützt werden. Vier Waisenkinder wurden mit Lebensmitteln und Schulmaterialien unterstützt. Zwei Kinder, die den Menschenhändlern entkommen konnten, wurden zu ihren Ursprungsfamilien zurückgebracht. Drei Frauen, die ihren gewalttätigen Partnern entkamen, wurden mit Lebensmitteln, Kleidung und med. Behandlung unterstützt.

Die Frauen setzten folgende Projekte nach dem Seminar (teilweise mit Anschubfinanzierung, teilweise ohne) um:

  • Hühnerprojekt
  • Anbau von Gemüse
  • Herstellung von Kokosnussöl
  • Fischverkauf, frisch und getrocknet
  • Herstellung von Snacks zum Verkauf
  • Ankauf von Lebensmitteln von den Farmern, Verkauf auf dem Markt

Die Umsetzung der Projekte war nicht immer einfach. Das Klima auf Sansibar ist sehr heiß und die Böden trocken. Einige Frauen konnten eine kleine Pumpe anschaffen um den Garten zu gießen. Einige kombinierten Hühnerhaltung und Gartenbau, so dass sie den Mist als Dünger nehmen konnten.

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April 2022

Das Chukwani Zentrum auf Sansibar leistet unermüdlichen Einsatz für die Ärmsten, darunter viele Kinder und Jugendliche die der Sklaverei entkommen konnten.

Kürzlich konnte drei jungen Mädchen geholfen werden:

Die jungen Tansanierinnen zwischen 15 und 17 Jahren wurden erst nach
Daressalam und dann weitere nach Sansibar gebracht, angeblich um dort als
Haushaltshilfe zu arbeiten. Der Fahrer der Menschenhändler verliebte sich in die
Jüngste und erzählte vom wahren Vorhaben: Sie sollten nach Äthiopien, Oman und
Dubai verkauft werden. Gegen Sex verhalf er ihnen zur Flucht. Die Mädchen
liefen orientierungslos ca. 30 km zu Fuß, bis sie sich trauten sich einem Passanten
anzuvertrauen. So gelangten sie ins Chukwani Zentrum. Im Zentrum wurden die
Mädchen beraten und konnten zur Ruhe kommen. Gemeinsam mit Behörden und
Polizei gelang es dem Zentrum die Mädchen zurück aufs Festland und dann zurück
zu ihren Familien zu bringen. Diese waren sehr glücklich, die Kinder wieder zu
haben.

Erst kürzlich wurde wieder ein 5-jähriger Junge entführt und sollte verkauft werden. Zum Glück wurde er von anderen Kindern gehört die es den Eltern erzählten und Hilfe holten.

Schwester Yusta stellte erneut einen Antrag auf Unterstützung von 10 Kindern und jungen Menschen. Gelingt ihnen die Flucht, erhalten sie im Zentrum Hilfe, Ernährung, aber auch Gespräche und medizinische Hilfe. Das Zentrum arbeitet mit der Polizei zusammen, um die Peiniger möglichst zu finden, was aber leider nicht so oft gelingt. Ziel ist es die Entführten zurück zu ihren Familien zu bringen. Auch dafür ist Beratung notwendig, oftmals hatte die Familie ja den Weggang der jungen Menschen befürwortet, wenn auch unter falschen Voraussetzungen.

Jede Unterstützung ist herzlich willkommen